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Exklusivinterview mit Dirk Hadameck (deutsch)

Interview

Veröffentlicht am: 13.07.2002, 00:00 Uhr
Kategorie: Interview
Verfasser: Alex Cee
Liga: Athletik Club Wrestling
Fragen zum Bodybuilding

CAGEMATCH: Ganz dumm gefragt: Was ist das Ziel des Bodybuildings? Der Aufbau von Muskeln, der Aufbau von Kraft oder die Ästhetik des perfekt geformten Körpers? Was reizt Dich so an dem Sport?

Dirk Hadameck: Das letztere dürfte wohl der Hauptgrund sein. Natürlich gibt es auch Leute, die nur trainieren, um einen dicken Arm zu bekommen. Mich fasziniert der Wettkampfsport deshalb, weil es eine der härtesten Sportarten der Welt. Ich würde das wettkampfbezogene Bodybuilding sogar noch vor das Wrestling stellen, denn ich glaube so viel Disziplin und Ehrgeiz braucht man in keinem anderen Sport. Diesen Sport können nur ganz wenige Menschen durchhalten.

Wie und wann bist du zum Bodybuilding gekommen? Hattest du irgendwelche Vorbilder, die dich dazu inspiriert haben?

Ich war völlig unsportlich und hab mich damals von meinem Schwager überreden lassen mal mit ins Fitness-Studio zu gehen. Ich hab mich beim Probetraining wohl angestellt wie der letzte Mensch und der Besitzer betete am Anfang immer für meine Gesundheit während des Trainings. Dann lernte ich durch Zufall den späteren Deutschen Meister im Bodybuilding kennen, der wohl irgendwie Mitleid mit mir hatte und mir ein Training mit ihm schenkte. Irgendwie haben wir uns dann angefreundet und ein halbes Jahr später wurde ich sein Trainingspartner. Er war für mich wie ein Vater und hat mir sehr viel von seinem Wissen mitgegeben. Er war und ist auf jeden Fall eine Schlüsselfigur in meinem Leben gewesen.

Wie haben deine Freunde und Familie regiert, als deine Muskeln größer und größer und größer wurden? Haben Sie das Bodybuilding akzeptiert oder gab es auch Bedenken, vielleicht sogar Abscheu?

Zur Wettkampfzeit hatte ich keine Freunde mehr, da ich alle Kontakte abbrach. Ich wollte mich ganz allein auf mich konzentrieren. Vorher haben sich schon viele von mir losgesagt, vermutlich aus Neid. In der Schule hatte ich Narrenfreiheit, es gab nie Probleme mit Mitschülern oder Lehrern. Meine Mutter hat mich sehr in dieser Zeit unterstützt und auch meine Freundin und Lebensgefährtin hat mir damals alle Freiräume gegeben, die ich brauchte. Meinem Vater wurde es etwas seltsam zumute, als ich auf einmal breiter war als er. Aber die Familie hat mich schon unterstützt.

Was hast du in dem Sport erreicht? Wie man auf den Bildern sehen kann, hast du ja auch an Wettbewerben teilgenommen.

Ich wurde 1996 internationaler Münchner Meister der Junioren. Dies war ein toller Erfolg für mich und hat mich auch geistig zu einem sehr starken Menschen gemacht. Dann wurde ich noch zweiter beim int. Bachgau Cup und hab bei diversen Studiomeisterschaften mitgemacht, die aber nicht so bedeutend waren. Es ist eine schöne Erinnerung für mich und ich bin auch heute noch sehr stolz auf die damaligen Erfolge.

Kann man pauschal sagen, wie viel Jahre man braucht, um sich einen wettbewerbsfähigen Körper auf zu bauen?

Das kommt auf die Genetik des jeweiligen Menschen an. Bei den Junioren kannst du innerhalb von zwei Jahren (wenn du dich dahinterklemmst) mit ersten Wettkämpfen starten. Bei den Männern sind es im Regelfall so fünf Jahre Trainingszeit, je nach Intensität. Bei dementsprechendem Konsum von Hilfsmittel geht es vermutlich auch schneller.

Wieso und wann hast du mit dem Sport aufgehört?

Durch eine Knieverletzung konnte ich eine längere Zeit keine Beinmuskulatur trainieren und wurde etwas depressiv. Nach anschließendem Streit mit meinem damaligen Trainer hab ich dann alles hingeschmissen und habe (leider) abrupt aufgehört zu trainieren. Ich würde heute gerne wieder anfangen, allerdings habe noch nicht die Zeit gefunden. Es liegt an meiner Art, immer alles hundertprozentig zu machen und daher warte ich die Gelegenheit wieder voll loszulegen. Dies könnet bereits nächstes Jahr wieder der Fall sein.

Wie können sich Laien den Ablauf einer Bodybuilding Show vorstellen?

Alle Teilnehmer einer Gewichtsklasse kommen auf die Bühne und müssen die sieben Pflichtposen durchführen. Hierbei bewerten die Kampfrichter die Teilnehmer nach den Kriterien Muskeldichte, Muskelmasse, Körpersymmetrie und Muskelhärte. Danach darf jeder Teilnehmer eine einstudierte Posing-Küre auf ein Lied seiner Wahl dem Publikum präsentieren. Zum Abschluss kommen alle Teilnehmer auf die Bühne und es gibt eine Minute lang freies Posing. Danach werden die Sieger genannt und mit einem Pokal geehrt.

Kannst du mal grob erläutern, wie der Sport aufgebaut ist? Gibt es unterschiedliche Gewichts und Altersklassen? Wie steht es mit Frauen in dem Sport aus bzw. was hältst du von weiblichen Bodybuildern?

In Deutschland gibt es vier verschiedene Gewichtsklassen, sowohl bei den Männern (+ Junioren) als auch bei den Frauen. Ich startete als Junior in der Klasse III bis 90 kg. Die Klasse IV gilt als die härteste, da dort wirklich nur Mutanten an den Start gehen. Das Frauen-Bodybuilding halte ich für sehr bedenklich, da viele Frauen sich wohl gar nicht bewusst sind, was sie ihrem Körper antun. Mir persönlich gefällt es nicht, aber dennoch machen diese Frauen die gleichen Strapazen wie ihr männlichen Kollegen mit und daher muss man diese Leistung auch anerkennen.

Wie "stark" sind Bodybuilder wirklich? Viele Kritiker werfen der Szene vor, dass die Muskeln zur reinen Show dienen und nicht wirklich die Kraft entwickeln können, wonach es auf dem ersten Blick aussieht.

Dem kann ich zustimmen, da ein Bodybuilder nicht auf Kraft trainiert. Letztlich geht es darum eine schöne Körpersymmetrie und pralle (dichte) Muskelmasse aufzubauen. Der Bodybuilder trainiert auf sein Aussehen, daher ist das Gewicht zweitrangig. Bei den Gewichthebern ist es umgekehrt, da stört es niemand, ob deine Waden zu dünnen oder deine Arme zu dick sind, da geht es um die reine Maximalkraft. Beim Bodybuilding verkürzt sich ja dein Muskel und daher bist dz auf eine gewisse Bewegungsart angewiesen, um deine volle Kraft zu benutzen. Macht man eine ungewohnte Bewegung, ist es schwer dem Muskel die volle Kraft abzugewinnen, der er ja einen gewissen Bewegungsablauf gewöhnt ist.

Der Sport entwickelt sich momentan in eine Richtung, die viele Experten nachdenklich stimmt, da immer mehr Profis nur auf Masse bauen. Ist dies deiner Meinung nach dem Sport zuträglich oder schadet es nur, da kleine Athleten immer weniger Chancen haben? Man spricht in der Szene ja schon von regelrechten "Mass Moster" wie Shawn Ray.

In Deutschland gibt es ja Gott sei Dank Gewichtsklassen, so dass auch kleinere Leute (wie ich) eine reelle Chance haben. Bei den Profis gibt es das nicht und daher geht der Trend natürlich zu immer massigeren Athleten hin. Es ist erstaunlich und erschreckend zugleich zu sehen, wie weit man einen Menschen züchten kann. Normalerweise fließen in die Bewertungspunkte auch die Körpersymmetrie und Muskeldichte ein. In Amerika muss man jedoch das sensationsgeile Publikum bei Laune halten und daher kommen dann Leute wie Ray voll zur Geltung. Shawn Ray ist aber mit Sicherheit nur die Spitze des Eisbergs der kommenden Jahre und die Todesrate der Profs wird wohl genauso ansteigen.

Was hältst du von Wettbewerben wie Mister Olympia? Viele Bodybuilding-Begeisterte werfen Veranstalter Waider vor, das die Wettbewerbe im Gegensatz zu früher kommerziell geworden sind und niemand mehr an der wichtigsten Veranstaltung des Sports teilnehmen kann, wenn er nicht unter Vertrag Waiders steht.

Da ist was dran. Der Grund liegt mit Sicherheit im finanziellen Bereich. Mit Bodybuilding-Wettkämpfen kann man als Veranstalter kein Geld machen. Um Sponsoren zu halten bzw. gewinnen, muss der Veranstalter gewisse Änderungen vornehmen, die nicht immer gut für die Teilnehmer ausfallen. In Deutschland gibt es ja den IFBB Verband, der die Richtlinien der Wettkämpfe vorgibt. Aber auch hier hat man in den letzten Jahren viele (fast schon sensationelle) Veränderungen gemacht. So wird z.B. die Posing Küre in die Gesamtwertung mit einbezogen. Das ganze dient natürlich auch dem Zweck, mehr Entertainment in die Veranstaltungen einfliessen zu lassen, was im Endeffekt vielleicht den einen oder anderen Zuschauer mehr bringen dürfte.

Wie beurteilst du im Gegensatz dazu die Strongmen Wettbewerbe? Die Wrestling Szene in Österreich vermischt sich ja heute noch sehr mit den Strongmen Veranstaltungen, wie das Beispiel "Austrian Giants" zeigt.

Power Lifting hat mit Bodybuilding nichts tun. Der Bodybuilder trainiert auf Kraft-Ausdauer, während der Gewichtheber auf Maximalkraft trainiert. Das Gewicht hat beim Bodybuilding überhaupt nichts zu sagen und nur ganz selten geht man auf Maximalkraft. Auch die Ernährung ist vollkommen unterschiedlich. Der Powerlifter hat eine sehr kohlehydratische Ernährung, während der Bodybuilder mehr auf Eiweiß achtet.

Welche Bodybuilder waren oder sind deine Vorbilder? Was hältst du von Männern wie Lee Haney (Rekordhalter des Titels Mister Olympia) oder Shawn Ray, dem man im Moment nachsagt, das er in Haneys Fußstapfen treten wird?

Bei den Profi-Bodybuildern kann ich leider nicht von Vorbildern sprechen. Die meisten machen überhaupt gar keine richtige Diät, sondern konsumieren Wachstumshormone und dergleichen in erschreckend hoher Zahl. Ok, es sieht schon gigantisch aus, aber die Frage ist, wie lange macht dies der Körper mit ? Unter den Profis würde ich Vince Taylor hervorheben. Vince war in den Neunzigern unter den Top fünf der internationalen Bodybuilding-Szene und war bekannt für seine ausgezeichneten Posingküren. Er war auch privat ein netter Kerl, was man von den anderen nicht unbedingt behaupten kann. Grauenhaft fand ich auch das Trainingsvideo von Dorian Yates (Ex-Mr. Olympia), der in dem Tape willkürlich Gewichte auflud, um später seine Crashshakes verchecken zu können. Super in Ordnung ist übrigens auch Mike Christians, dem "Platinum Man". Lee Haney und Shawn Ray zu vergleichen halte ich für falsch, da beide unetrschiedliche Voraussetzungen haben oder hatten. Tragisch war der Tot von dem Münchner Andy Münzer, den ich kurz vor seinem Tot kennenlernte. Er war ein Vorbildprofi, der stets Diäten und dergleichen einhielt.

Gibt es irgendwelche Tendenzen ab zu lesen, wohin sich der Sport entwickeln wird? Das Problem, das die Körpermasse immer bedeutender wird, wurde ja schon angesprochen.

Der Wettkampfsport wird in den nächsten Jahren mit Sicherheit immer weniger Teilnehmer haben, da die Anforderungen mit Sicherheit noch mehr steigen werden. Der Trend wird aber wieder vermehrt zu den "Schwimmbad-Bodybuildern" hingehen, in denen übrigens die Steroidindustrie die meiste Kundschaft hat. Gerade bei jungen Leuten wird diese Entwicklung (leider) großes Ausmaß nehmen.

Was würdest du interessierten Leuten raten, welche mit den Gedanken spielen, auch Bodybuilder zu werden? Würdest du das überhaupt empfehlen? Gibt es gewisse Vorraussetzungen, die man erfüllen muss, um den Sport zu betreiben?

Unter dem Begriff "Bodybuilding" verstehe ich eigentlich den Wettkampfsport, denn alles andere würde ich als Freizeitsport bezeichnen. Grundsätzlich ist es für jeden gesunden Menschen gut, Kraftraining zu betreiben. Kraftsport gibt Selbstvertrauen und neues Lebensgefühl. Selbst wer nur einmal die Woche ins Studio geht, lebt gesünder als ein vergleichbarer, der keinen Sport ausübt. Fitnesstraining ist ein Stück Lebensqualität und sollte von vielen genutzt werden. Der Bodybuilding-Wettkampfsport hingegen ist, wie jeder andere Hochleistungssport auch, nicht unbedingt zur Gesundheitsförderung geeignet. Gelenke verschleißen und die körperlichen Strapazen sind auf Dauer nicht empfehlenswert. Dennoch sollte man großen Respekt vor diesen Sportlern haben.

Spielt das Alter dabei eine Rolle? Gibt es den idealen Zeitpunkt zum Einstieg?

Tatsächlich ist das späte Teenageralter (ab 16) der ideale Einstieg. Dein Körper kann in dieser Zeit so viel Muskelmasse aufbauen, wie sonst nie mehr in deinem Leben (es sei denn, du verwendest Steroide). Ich habe mit 16 angefangen und mit 18 meinen ersten Wettkampf bestritten. Obwohl ich seit ungefähr zwei Jahren keine Hantel mehr angerührt habe, ist ein Großteil der Muskelmasse noch vorhanden. Ok, momentan ist sie gut versteckt.

Wie wichtig ist die Ernährung beim Bodybuilding? Klar muss Masse aufgebaut werden, doch dies ist ja sicher kein Freischein, um alles wahllos in sich rein zu stopfen.

Die Ernährung macht 70 Prozent von deinem Aussehen aus, das Training gerade einmal 30. Bei mir ist es so, dass ich in Sachen Ernährung sehr unterschiedlich sein kann. In den letzten Jahren habe ich ohne auf meine Figur zu achten gegessen so viel ich wollte. Dies ist nun natürlich unüberschaubar, aber ich bin jemand, der nichts halbherzig machen kann. Auf der anderen Seite weiss ich aber auch genau, dass ich jederzeit wieder zu meiner alten Form zurück kommen könnte aber dafür müsste ich gewisse Abstriche machen. Ich glaube das schlimmste für einen Menschen, ist der Nahrungsentzug. Ich habe für meine Wettkämpfe damals ein halbes Jahr lang spärliche Mahlzeiten zu mir genommen und dabei sogar irgendwann angefangen, die Reiskörner zu zählen. Das hat mich sehr verändert. Wenn ich will, kann ich mein schlimmster Feind sein. Das Essen war zum Ende hin eine Tortur, da man ohne Salz, Öl und Gewürze kocht. Versuch mal ein halbes Jahr lang kein Brötchen oder Brot mehr zu essen.

Meinst du, dass der Bodybuilding Sport in Deutschland den Stellenwert genießt, den er verdient hat? Gibt es hierbei vielleicht auch Parallelen zum Wrestling?

Und wie. Der Bodybuilding-Sport könnte ein Brudersport zum Wrestling sein. Ich zähl das ganze mal besser in tabellarischer Form auf:
- Du wirst niemals die Anerkennung bekommen, die dir zusteht
- Fast keiner weiß, was hinter dem Sport steckt
- Den reinen Bodybuilding-Sport übt fast niemand aus, aber alle stellen sich so dar
- Der Trainingsaufwand ist enorm, der sichtbare Erfolg oftmals undankbar
- Es wird nicht als Sport anerkannt
- Es gibt mehr Neider als Anhänger

Im Grunde genommen kannst du jeden Punkt auch auf das Wrestling beziehen.

Und last but not least: Die obligatorische Frage nach den Doping. Wohl kaum ein anderer Sport hat so mit dem "Spritzen-Image" zu kämpfen, wie das Bodybuilding. Hast du während deiner Karriere damit Kontakt gehabt oder hast du Leute gekannt, welche unerlaubte Aufbaumittel genommen haben?

Wenn du in der Szene drin bist, dann bekommst du über kurz oder lang Angebote unterbreitet. Ich kann jedoch mit Fug und Recht behaupten, von dem Teufelszeug nichts genommen zu haben. Ich war mit 18 damals noch Junior und war auch Gott sei Dank nicht darauf angewiesen, denn in diesem Alter kannst du viel durch richtiges Training und gute Ernährung heraus holen. Ich weiss aber nicht, ob ich nach meiner Juniorenzeit um die Steroide herum gekommen wäre, denn in der Männerklasse kannst du ohne zusätzlichen Hilfen nicht bestehen. Gott sei Dank habe ich rechtzeitig den Ausstieg geschafft.

Hand aufs Herz, wäre es bei allen gesundheitlichen Risiken nicht vernünftiger, das Doping zu legalisieren? Die Athleten sind alt genug um zu wissen was sie da tun und der Sport scheint ohne eh nicht mehr existieren zu können. Wäre es z.B. eine Option, Steroide - Konsum unter ärztlicher Aufsicht zu genehmigen?

Dann müsstest du das bei allen Sportarten machen. Steroide sollten auch weiterhin verboten werden, denn die Risiken dieser Stoffe sind nicht zu unterschätzen und können zu Langzeitschäden führen. Ärztliche Kontrolle ist bei den meisten Bodys ohnehin vorhanden, aber es hält sich fast keiner an den Rat der Ärzte.


Fragen zum Promoting

Die erste Frage liegt fast selbstverständlich auf der Hand. Wie bist du auf die Idee gekommen, Wrestlingshows zu promoten und dann auch noch in einer Region, wo dieser Sport bis dato fast vollkommen unbekannt war?

Ich hatte nicht die Pläne, das ganze soweit auszubauen. Anfangs hatte ich Lust mal etwas neues zu machen und hab einfach mal einige Anfragen bei einigen Sportstätten gemacht. Ich wollte auch nicht wie ein Wrestler kämpfen, sondern mehr in den Submission-Bereich gehen. Mir wurde erst relativ spät klar, dass ich mehr aus meiner Idee machen konnte. Ich sah es anfangs mehr als ein Gag, etwas neues, den traditionellen Kampfsport zu modernisieren.

Wie seid ihr zum AC gekommen?

Ich habe mich damals vorgestellt, mit dem Anliegen eine Wrestlingabteilung zu gründen. Anfangs wurde ich vertröstet, bis ich die Chance auf eine Abstimmung in einer Vorstandssitzung bekam. Dort wurde dann einstimmig beschlossen, das Wrestling vorerst in das Vereinsprogramm mit aufzunehmen, allerdings mit der Auflage, keine Kosten zu verursachen. Wir mussten also schnell Mitglieder finden, um unsere Abteilung tragen zu können. Die ersten Mitglieder, die auch bis heute noch dabei sind, waren Lumberjack, Business Man, Argjend Qufaj, Head Hunter (Wild Man), Fireangel und ich. Die Abteilung ist heute fester Bestandteil im Sportangebot des Vereins.

Du trainierst den Nachwuchs ja auch teilweise selbst. Erinnerst du dich noch daran, als du ein Schüler warst und den ersten Bump nehmen musstest? Wie fühlte er sich an und wer hat Ihn dir verpasst?

Meinen ersten Bump bekam ich von meinem damaligen Ju-Jutsu Trainer Volker Waldi (Europaauswahl). Er demonstrierte eindrucksvoll, wie man einen doppelt so schweren Gegner mit einem einfachen Schulterüberwurf ausheben kann. Man sollte Leute niemals nach ihrem Aussehen beurteilen.
Im Wrestling kann ich es dir nicht mehr sagen, aber einen sehr schmerzhaften Bump bekam ich mal von Argjend, als er mich zu einem Fallaway Slam aushebte. Mir blieb für kurze Zeit die Luft weg und fast hätte aus seinem anschließendem Cover nicht mehr auskicken können. In meinem letzten Kampf als Dircor flog aus dem Ring durch den Ringsprechertisch und habe mich sehr schwer am linken Knie verletzt, welches mir heute noch Probleme bereitet.

Kannst du dich noch an die erste Show in Weinheim erinnern? Wenn ja, was ein Gefühl war es, erstmals im Ring zu stehen?

Ich hatte schon zwei Kämpfe vor der ACW bestritten und ging die Sache daher etwas lässiger an als meine Leute an, aber wir hatten ja noch vor unserer Veranstaltung die Möglichkeit auf diversen Stadtfesten zu kämpfen. Die erste (eigene) Veranstaltung war Wild Christmas 1998. Wir wollten eigentlich nur einmal veranstalten, ohne große Hintergedanken. Als dann auf einmal 280 Zuschauer in die Halle kamen, hat das bei uns einen mächtigen Motivationsschub ausgelöst und den Rest kennst du ja. Ich habe damals gegen Norbert Pusch gekämpft, mit Sicherheit eine der schwächeren Darbietungen an diesem Abend. Der Kampf ging über 30 Minuten und ich hatte 90 % Matchanteil. Der Kampf war zwar taktisch auf sehr hohem Niveau, aber halt etwas zu einseitig für die Zuschauer. Ich habe ungern meinen Gegner etwas gegeben, um gegen mich gut auszusehen. Ich bin der Meinung, dass man sich so etwas in einem Kampf verdienen muss.

Was war seitdem der schönste und der schlechteste Moment in der AC-Historie?

Als Wrestler: Mein Kampf mit Argjend Qufaj im September 1999 war für mich der schönste Moment im Ring. Die Stimmung bei diesem Kampf war einfach unglaublich und ist, glaube ich, bis jetzt noch immer unerreicht. Wir haben uns nichts geschenkt und die Zuschauer haben dies gespürt und der Sportpark verwandelte sich in einen Hexenkessel, wie ich es noch nie erlebt habe. Sogar heute sprechen mich noch Fans wegen dem Match an. Eine negative Erinnerung habe ich an die Veranstaltung in Lingen (1999). Wir traten vor sage und schreibe fünf Zuschauern an, was schon deprimierend war. Auch der Veranstalter tat mir sehr leid.

Als Veranstalter: Mit Sicherheit zählt das letzte halbe Jahr zu der besten Zeit der ACW. Ich habe mich sehr über die steigenden Zuschauerzahlen gefreut und auch über die zufriedenen Gesichter der meisten Fans. Eine herausragende Veranstaltung war für mich Back Splash. Vom wrestlerischen her war die Veranstaltung in Mannheim eine tolle Sache. Jeder und wirklich jeder hat sich mächtig ins Zeug gelegt, um neue Fans in Mannheim zu gewinnen. Negativ blieb mir Wild Christmas 1999 in Erinnerung. Wir hatten sieben durchschnittliche Kämpfe und einige organisatorische Probleme. Etwas down brachte mich auch der Sonntag des dreitägigen Universe Braw Spektakels. Gerade einmal 100 Zuschauer waren in der Halle, ich hatte mit mindestens 300 gerechnet.

Wenn du den ACW von 1998 mit heute vergleichen müsstest, was hat sich alles geändert?

So gut wie alles. Wir haben es geschafft, die anfängliche Hobby-Abteilung zu einer Hochleistungssport-Abteilung umzugestalten. Die Wrestlingabteilung hat dem AC Weinheim mit Sicherheit auch viel Werbung und Anerkennung eingebracht. Viele Vorstandsmitglieder sehen in uns mittlerweile eine neue und erfolgreiche Form des wettkampforientierten Vereinssports. Gerade ehemalige Ringer freuen sich über die neue Blütezeit des Ringkampfsports in ihrem Verein.

Wir haben eigentlich aus Nichts eine interessante und anerkennende Promotion gemacht und dies macht mich sehr stolz. Trotz anfänglicher Kritiken seitens anderer Abteilungen und Medienvertretern haben die Wrestling-Mitglieder nicht resigniert und weiter an sich gearbeitet. Doch wissen wir auch, dass alles schnell wieder vergehen kann, daher müssen wir uns immer wieder selbst motivieren und neue Ideen entwickeln, um die ACW noch attraktiver zu machen. Unverändert bleiben die Fans immer an erster Stelle. Es wird keine Ego-Bookings geben, sondern Storylines und Wrestler, die den Fans die gewünschte Art von Unterhaltung bieten können.

Veränderungen gibt es vor allem aber im sportlichen und organisatorischen Bereich. Die Zuschauer sollen sich im Klaren darüber sein, dass sie eine entertainmentreiche Sportveranstaltung besuchen und das sich hier Leute im Ring messen, die voll austrainiert sind und wissen, was sie im Ring zu suchen haben. Diese Kombination aus Sport und gutem Entertainment ist meiner Meinung nach die Basis für die nächsten Wrestlingjahre in Weinheim.

Wie stehst du zum Thema Nachwuchsarbeit? Talente wie Kosta Kaperdos und Flash Christian zählen ja schon heute zu den Leistungsträgern des AC. Wie lange dauert es bis ein Wrestler sein erstes offizielles Match bestreiten darf und was für Anforderungen stellst du dann an sie?

Ich stelle sehr hohe Anforderungen an junge Leute. Früher habe ich oftmals menschlich gehandelt und auch mal Leuten eine Chance gegeben, die vielleicht noch nicht zu 100 % fit waren. Dies mache ich aber schon lange nicht mehr. Die Rookies müssen mit bis zu einem Jahr rechnen, um überhaupt einmal im Ring stehen zu können. Es gibt natürlich auch Ausnahmen, die großes Talent und Ehrgeiz mitbringen und in manchen Fällen schon nach wenigen Monaten ihren ersten Kampf bestreiten. Ich lege sehr viel Wert auf Disziplin und Anwesenheit im Training. Schönwetterschüler, also Leute die nur ab und an im Training sind, bekommen von mir keine Chance und verlassen meist nach kurzer Zeit wieder den ACW. Von zehn Anfängern schafft vielleicht einer den Sprung zu den Fortgeschrittenen, aber das ist ok. Selbst Juniorentalent Kosta Kaperdos musste 18 Monate auf seinen ersten Auftritt warten.

In großen Teilen der Wrestling Gemeinde ist in den letzten Monaten eine hitzige Debatte ausgebrochen, wie alt Jugendliche sein dürfen, um in den Ring zu steigen oder mit dem Training zu beginnen. Was denkst du darüber? Sollte man bei Kontaktsportarten erst ab einem "reifen" Alter wie 16 mit der Ring Ausbildung beginnen, da man den Jugendlichen mit den im Training erlernten Griffen eventuell auch eine "Waffe" in die Hand gibt, welche missbraucht werden könnte?

Ich sehe mit Erschrecken, wie neunjährige "Steppkes" tödliche Schlagkombinationen im Boxsport erlernen. Seltsamerweise scheint dies aber niemanden zu interessieren, da Boxen ein Kampfsport mit langer Tradition ist. Würde aber nun ein zehn- oder zwölfjähriger tödliche Griffe beim Wrestling-Training erlernen, wäre dies ein Skandal und sofort würden sich Behörden und Initiativen einschalten. Ich bin der Meinung, dass Teenager ab 14 Jahren die Möglichkeit für den Besuch einer Kampfsportschule bekommen sollten. Allerdings sollten bis zum 16. Lebensjahr nur Grundtechniken und Fallschule beigebracht werden. Mit 16 sollte der Trainer, der im übrigen bis zu 80 % der späteren geistigen Entwicklung beitragen kann, entscheiden, ob sein Schüler die körperlichen und geistigen Voraussetzungen besitzt, um das komplette und allgemeine Trainingsprogramm zu absolvieren. Eine solche Bedingung setzt natürlich voraus, dass die Trainer ausgebildet und qualifiziert sind. Dies ist jedoch gerade im Wrestlingsport sehr schwierig, da es nur sehr wenige von diesen Trainern gibt.

Generell, was würdest du jungen, interessierten Fans raten, wenn sie Wrestling erlernen wollen, aber vielleicht nicht die Möglichkeit haben, bei einem Training teil zu nehmen?

Sie sollten sich durch intensives Krafttraining eine Basis schaffen. Als Ergänzung wäre ein Kampfsport wie Judo oder Ringen sicherlich hilfreich. Später, bei geregeltem Einkommen, kann man dann immer noch eine Wrestlingschule besuchen und dort das Wrestling von A-Z erlernen. Auf gar keinen Fall sollten die jungen Leute es auf die Backyard-Tour versuchen. Auch die Veranstalter sollten untrainierte Rookies nicht durch Auftritte bei Veranstaltungen unterstützen. Natürlich wird dies bei vielen Veranstaltern so praktiziert, da dies oftmals eine günstige Alternative ist, die Veranstaltung um einige Kämpfe zu erweitern. Doch schadet dies meiner Meinung nach der sportlichen Einstellung der Leute, da diese ohne ausreichende Grundkenntnisse eingesetzt werden und damit auch der Respekt vor Profis, die sich ihren Status hart erkämpft haben, verloren geht.

Die ACW setzt seit jeher auf das einheimische Publikum und verzichtete nach vernichtender Kritik jahrelang auf die "Internetfans". Rückblickend gesehen, war das eine richtige Entscheidung für die Entwicklung der ACW, praktisch außerhalb des "Fachpublikums" einen eigenen Stil zu entwickeln?

Die Stimmung im Internet kann leider sehr trügerisch sein und oftmals von der Meinung der restlichen Bevölkerung abweichen. Ich habe mich damals sehr über die verbalen Angriffe auf die ACW im Internet geärgert, da sie nicht gerecht waren. Ich gebe zu, dass zu Beginn der ACW die Storylines und Gimmicks wichtiger als die eigentlichen Kämpfe waren, aber Fakt ist, mit dieser Art von Unterhaltung zogen wir mehr Fans als die meisten anderen Ligen in Deutschland. Auch Wrestler wie Business Man und Lumberjack wurden schlecht geredet, dabei sind es gerade diese Leute, ohne die die ACW niemals voran gekommen wäre. Viele der Kritiker von damals und heute haben vergleichbares nicht geschafft und sollten sich daher moralisch hinter diesen beiden Sportlern anstellen. Außerdem, wenn das Wrestling von damals so schlecht gewesen wäre, warum blieb die Zuschauerzahl immer konstant bis steigend? Ich denke einfach, damals wie heute, überwog der Neid einzelner Personen.

Du bist ein zweimaliger ACW Heavyweight Champion und bestrittst vor einigen Monaten ein vielbeachtetes Match gegen Robb The Steamhammer. Gibt es vielleicht eine Chance, dich wieder fulltime zwischen den Seilen zu sehen?

Mit Sicherheit nicht. Ich habe mich vor einiger Zeit vor die Wahl gestellt, entweder als Wrestler oder als Veranstalter weiter zu machen. Ich habe es mir lange überlegt und eigentlich überwog der sportliche Teil in mir. Ich habe mich aber dennoch dazu entschlossen, die Position des Veranstalters einzunehmen. Der Grund hierfür waren meine Leute aus der Abteilung. Hätte ich mich auf mich selbst konzentriert, hätte es in Weinheim vermutlich keine ACW mehr gegeben und somit weniger Wettkampftage für unsere Leute. Sportlich hatte ich damals das Ziel, mich auf große Namen wie Karsten Kretschmer, Ulf Herman und Eric Schwarz vorzubereiten und mich sportlich mit diesen Vorzeigeathleten im Ring zu messen. Ich bereue meinen Entschluss als Veranstalter weiter zu machen übrigens nicht, denn jeder neue Fan der ACW gibt mir die Motivation und Bestätigung weiter zu machen.

Eines der größten Probleme des ACW scheint für mich die zunehmende Kluft zwischen Profis und "ACW Personal" zu sein. Sicherlich profitieren Wrestler wie Marc The Lumberjack oder Master J von den Erfahrungen, welche sie gegen Profis sammeln können, trotzdem schaffen sie es nicht mehr, sich so ins Rampenlicht zu drängen, wie vielleicht noch vor zwei Jahren möglich gewesen wäre. Wie bewertest du diese Sachlage oder siehst du die Situation nicht so drastisch?

Ich sehe die von dir beschriebene Situation in sportlicher Hinsicht als sehr zukunftsorientiert an. Überall gibt es Vetternwirtschaften und auch ich verstehe mich mit gewissen Leuten besser als mit anderen. Dennoch ist es meine Aufgabe, sportliche Aspekte vor die Freundschaft zu stellen. Schau mal, der ACW hat es geschafft, innerhalb von nur zwei Jahren eine professionelle Wrestlingorganisation aus der Taufe zu heben. Wir haben die besten Leute aus dem deutschsprachigen Raum und namhafte Champions. Die Eigengewächse der ACW sind in meinen Augen die Zukunft der deutschen Wrestlingszene. Leute wie Marc, Kosta, Die Genossen oder Flash Christian werden meiner Meinung nach in einigen Jahren denselben Stellenwert wie heute ein Eric Schwarz oder Michael Kovac haben. Davon bin ich voll und ganz überzeugt. Der AC Weinheim bietet mit seinen Veranstaltungen, Trainingskapazitäten und internationalen Besetzungen die besten Möglichkeiten für die Entwicklung neuer Leistungsträger. Natürlich wird es auch viele Stagnationen und Rücktritte geben, aber der Rest wird zu den Topleuten in unserem Raum gehören. Die meisten ACWler wissen um ihren Stellenwert und profitieren von den Erfahrungswerten der Profis und das unterscheidet sie in meinen Augen von vielen anderen aus der Szene.

Ghostbusters, Buisness Man, The Gangsta oder The Lumberjack galten als typische ACW Gimmicks, welche sehr an den Comicstil der WWF Ende der 80er Jahre erinnerten und von vielen Fans als nicht mehr zeitgemäß empfunden wurden. In den letzten Monaten sind diese nach und nach verschwunden und wurden durch gradlinige Typen, wie Andy Douglas oder Pierre Fontaine ersetzt. Gab es in der Hinsicht ein Umdenken oder gibt es Probleme bei der Ausarbeitung neuer Gimmicks?

Nein. Es sind ja auch neue starke Gimmicks wie z.B. der Wild Man oder die Genossen entstanden. Leute wie Andy Douglas und Pierre Fontaine werden mit Sicherheit auch noch einen neuen Weg einschlagen. Bei den Gimmicks ist es nun einmal sehr wichtig, dass die Wrestler ihren Charakter im Ring auch umsetzen können. Daher ist es ratsam, neue Wrestler erst einmal gegen diverse Leute ohne Hintergrund antreten zu lassen und dann nach einem passenden Image-Wechsel neu in Szene zu setzen. Viele Leute, speziell junge Fans, fanden die Gimmicks der ACW immer sehr gut und ließen sich auch dementsprechend bei Veranstaltungen mitreisen. Doch wir haben gemerkt, dass durch das Fehlen der WWE-Sendungen im Free TV immer weniger junge Leute zu den Veranstaltungen kommen. Dies war zu Beginn der ACW noch nicht der Fall, daher musste es jetzt auch gewisse Änderungen geben. Wobei ich es nicht ausschließen möchte, irgendwann wieder auf die Entertainment-Schiene der letzten Jahre zurück zu greifen. Man muss sich als Veranstalter dem Markt und den Interesse der Fans anpassen, sonst veranstaltet man irgendwann nur noch für eine Hand voll Fans.

Wenn wir schon von Gimmicks sprechen, woher nehmt ihr die Ideen für eure Charaktere oder Storylines? Arbeitet ihr im Team oder gibt es den einen einzelnen "kreativen Kopf" in eurem Kader? Inwiefern können die Wrestler ihren Charakter selber beeinflussen?

Jeder Wrestler darf seine Ideen äußern und ich mache mir dann darüber meine Gedanken. Viele Gimmicks sind auf meinem Mist gewachsen, wobei es aber auch schon Eigenkreationen wie beispielsweise den Fireangel gab. Im Grunde genommen muss der Charakter auch zur Ausrichtung der Liga passen. Ich hasse es, wenn Wrestler in Jeans und Turnschuhen in den Ring steigen. Ein Wrestler hat nun mal die Aufgabe, die Zuschauer auch durch seine Erscheinung und sein Gimmick zu unterhalten. Bei den Junioren mache ich da eine Ausnahme, da es junge Leute sind und diese erst einmal ihren eigenen Stil entwickeln müssen. Ein Kenner der Szene sagte einmal in Sachen Gimmicks zu mir, "je bunter desto besser", womit er mit Sicherheit nicht Unrecht hatte.

Inwiefern kann man überhaupt Storylines ausarbeiten, wenn man die Wrestler von Show zu Show buchen muss und auf keinen festen Kader zurückgreifen kann? Dieses Problem betrifft ja auch zunehmenderweise den ACW, da in den Main Stories kaum noch Weinheimer auftauchen.

Wenn man Storylines mit auswärtigen Wrestlern macht, muss man diese natürlich auch für alle Events buchen. Das ist aber nicht das Problem. Bei der ACW waren dieses Jahr die Fehden GEIL/Bambikiller und Eric Schwarz/Big Tiger Steele im Vordergrund und es gab überhaupt gar keine Probleme bei den Terminen. Die oben genannten Leute zähle ich eigentlich schon zum festen Etat der ACW, vor allem Eric und Patrick sind ja quasi mit in die ACW involviert. Ich achte auch immer darauf, dass nicht zu viele Storylines bei einer Veranstaltung zur Geltung kommen. Es ist sehr schwierig, eine gewisse Anzahl an Storylines ohne TV-Präsenz den Zuschauern zu übermitteln. Daher muss man sich auf das Wesentliche konzentrieren.

Wie lange dauert die Vorlaufzeit zu einem Event, also von erster grober Planung, bis hin zum ersten Match?

Für eine Veranstaltung im AC Sportpark brauchen wir etwa zwei Monate Vorbereitungszeit. Hierzu zählt im Grunde genommen alles, was bei einer Veranstaltung anfällt. Am meisten Zeit nimmt jedoch die Werbung in Kauf. Hierzu zählen die Kontaktierung der Pressevertreter, Plakat drucken und aufhängen, Handzettel verteilen und natürlich auch mögliche Sponsoren kontaktieren. So eine Veranstaltung ist in punkto Planung sehr zeitaufwendig und oftmals alleine nicht mehr zu bewältigen.

Ohne groß auf die Einzelheiten ein zu gehen, doch viele Fans fragen sich, wie sich der ACW finanzieren kann? Bei den Saturday Night Shows nehmt ihr pro Veranstaltung ca. 300 Euro ein (100 Zuschauer x drei Euro Eintritt), was anhand der hohen Spritpreise kaum die Fahrtkosten der Aktiven abdecken dürfte... was für eine Rolle spielt das der Verein und die Sponsoren bei der Finanzierung?

Um etwas aufzubauen, muss man anfangs auch bereit sein etwas zu investieren. Die ACW SN Veranstaltungen werden zum Teil durch Sponsoring subventioniert, ansonsten wäre das ganze sicher nicht möglich. Wir sind auf unsere Sponsoren angewiesen und müssen daher natürlich auch die Bilanz von Jahr zu Jahr verbessern, um diese zu halten. Bei SN in Weinheim hatten wir dieses Jahr ein Zuschauerzuwachs von 100 % gegenüber dem Vorjahr. So etwas kann sich natürlich sehen lassen. Nichtsdestotrotz müssen sich die SN-Veranstaltung in den kommenden Jahren selbst finanzieren. Der Verein stellt Trainings- und Veranstaltungsmöglichkeiten zur Verfügung. Die Abteilung muss jedoch die Veranstaltungen selbst finanzieren. Durch den Verein gibt es natürlich auch steuerliche Vorteile, die man sonst nicht hätte.

Wo liegen die Unterschiede zwischen den Fans in Weinheim und Mannheim? Letztere müssen dich beim ersten Saturday Night außerhalb Weinheims enorm beeindruckt haben, so dass du dich dazu hinreißen gelassen hast, für das nächste Jahr eine große Show mit 1.000 Zuschauern für die Schachbrettstadt anzukündigen.

Die neuen Fans in Mannheim sind hungrig und ich möchte daher den aufgeweckten Löwen auch zum Brüllen bringen. Wir haben in einem abgelegen Stadtteil von Mannheim immerhin 200 Zuschauer gezogen, also müsste doch in der Stadtmitte einiges mehr machbar sein?! Die Multihalle ist direkt im Zentrum angesiedelt und bietet Parkmöglichkeiten für mehrere hundert PKWs. Ich verspreche mir wirklich sehr viel von dieser Veranstaltung. Natürlich kann es auch zu einem Debakel in der Zuschauerzahl kommen, aber dann haben wir es wenigstens mit allen Mitteln versucht. Man muss als Veranstalter immer damit rechnen Baden zu gehen.

Kannst du uns schon erste Hints geben, was genau der AC für die große Mannheim Show nächstes Jahr geplant hat? Es schwirren ja Gerüchte durch die Welt, das bis dahin auch ein TV Deal mit einem regionalen Sender unter Dach und Fach sein könnte.

Über den TV-Deal möchte ich erst reden, wenn wir ihn auch wirklich haben. Momentan sind es nur lockere Gespräche, aber noch nichts konkretes. Die Veranstaltung in der Multihalle wird mit 1.000 Plakaten in Mannheim und Umgebung beworben, zudem wird es Anzeigen in den grossen Tageszeitungen der Region geben. Es werden alle zur Verfügung stehenden Geldmittel sinnvoll investiert, um möglichst viele neue Wrestling-Fans anzusprechen. An Wrestlern kann ich noch nicht viel sagen, da auch hier noch zu viele Dinge passieren können. Wir haben drei Amerikaner auf unserem Wunschzettel, aber da machen wir besser keine Ankündigung. Hinterher klappt es nicht und die Fans sind enttäuscht. Es werden aber wieder einige bekannte Europäer dabei sein, auch einige neue Gesichter in der ACW.

Wo steht der ACW mittelfristig?

Unter den ersten drei Wrestling Promotions, zusammen mit zwei norddeutschen Projekten

Wo würdest du den AC im Vergleich zu anderen Projekten in Deutschland qualitativ einordnen?

Nun, der AC ist der grösste Verein im badischen Sportbund. Der Verein ist gerade dabei sich flächenmässig mit einer Investition von rund drei Mio. Euro zu verdoppeln und dies wird sich auch positiv auf die Wrestlingabteilung auswirken. In einem 120qm grossen Trainingsraum werden wir dann mehrwöchige Trainingsseminare anbieten können und damit neue Talente fördern.

Siehst du eine Chance, das sich auf dem Festland eine ähnliches Umfeld entwickeln kann die in Großbritanien, wo die größten Ligen des Landes auch kleinere TV-Deals haben? Oder siehst du nach der kompletten Verbannung des Wrestling aus dem deutschen Fernsehen endgültig das Schiff absaufen?

In Frankreich klappt das ja ganz gut, aber in Deutschland sind nun mal auch andere Gesetze vorhanden, die es den Fernsehsendern nicht unbedingt leichter machen. Ob nun die Nichtpräsenz der WWE im TV als Hinderung für deutsche Promotions ausschlaggebend ist, wage ich mal zu bezweifeln. Meiner Meinung nach kann keine Liga in Deutschland mehr als einmal im Monat veranstalten und somit ist es für TV-Sender nicht unbedingt ein lukratives Geschäft. Aber derjenige, der es schafft als erstes einen Fernseh-Deal zu landen, der hat die besten Karten eine erfolgreiche und wirtschaftliche Unternehmensstruktur zu führen. Wobei der Erfolg mit Sicherheit dann auch mit der Ausarbeitung und Umsetzung der Storylines zusammenhängen wird.

Und last but not least, kannst du den Lesern von CAGEMATCH verraten, was ihr für die nächsten Monate geplant habt?

Bis zum Ende des Jahres wird es also noch zwei Großveranstaltungen, zwei SN in Weinheim und ein SN in Mannheim geben. Am 20. Oktober werden einige unserer Leute auf der Heddesheimer Kerwe zu sehen sein. Vermutlich werden auch wieder einige neue Gesichter beim Athletik Club Wrestling zu sehen sein und der Cruiserweight Titel könnte noch dieses Jahr eingeführt werden. Jetzt hab ich mit vielen Worten nichts neues erzählt, aber ich hoffe du verstehst mich. Es ist schwer genaue Vorausschauen zu machen.


Zum Schluss ein paar persönliche Fragen

Welchen Beruf hast du erlernt und übst du ihn heutzutage noch aus?

Ich hab mich mit 18 selbständig gemacht und plane gerade ein Bistro zu eröffnen. Momentan bin ich bei einer regionalen Tageszeitung in der Sportredaktion tätig und verkaufe diverse Merchandising-Produkte auf Messen.

Wenn du einmal Freizeit hast, wie verbringst du diese? Welche Hobbies hast du?

Ich lese gerne ein Buch, interessiere mich für Geschichte, sportliche Aktivitäten und Abende mit Freunden verbringen, Politik.

Was macht dich wirklich wütend und was macht dich traurig?

Wütend machen mich Hochstapler und Wichtigtuer und traurig machen mich charakterschwache Leute, die auf diese Typen hereinfallen.

Was war das schrecklichste Geschenk von einem Fan an dich oder was war das Schlimmste, was ein Fan je zu dir gesagt hat?

Da gibt es eigentlich nichts. Gefreut habe ich mich mal über ein Dircor Fotoalbum eines Fans und einen selbstgemachter Dircor-Schaumstoff-Finger. Die Sachen habe ich noch immer.

Erinnerst du dich an deinen ersten Kuss?

Der erste Pferdekuss war nicht so angenehm.

Würde dir etwas fehlen, wenn du dich nicht dazu entschlossen hättest, Bodybuilder zu werden?

Ja. Ich wäre niemals so ein selbstbewusster Mensch geworden wie heute. Die Bodybuilding-Phase ist die wichtigste meines Lebens, denn ich habe gelernt an mich zu glauben. Dies hat mir bisher auch immer beruflich sehr geholfen.

Wenn du für 24 Stunden in die Haut eines anderen schlüpfen könntest, wen würdest du wählen und warum?

Ich würde gerne einmal wie ein Meerestier unter Wasser leben. Das muss fantastisch sein.

Erinnerst du dich an die coolste Party, an der du teilgenommen hast?

Ich bin kein Party-Mensch, aber das schönste Erlebnis war die Anerkennung meiner Familie nach dem Gewinn einer Bodybuilding-Meisterschaft.

Worauf achtest du bei einer Frau als erstes?

Auf gepflegtes Aussehen und dann auf den Charakter.


Abschluss-Kommentar

Als ich mich an diesen Kommentar gesetzt habe, dachte ich, dass wäre in wenigen Minuten erledigt. Zu sehr war ich der Meinung Dirk als Promoter und auch ein bischen als Mensch kennen gelernt zu haben. Doch dann sitze ich vor einem großen, weißen Monitor mit einem blinkenden Cursor und musste mir nach wenigen Minuten eingestehen, das auf Anhieb nur ein Satz zu stande kam:

"Dirk Hadameck zu beschreiben, fällt mir nicht leicht..."

Als ich Dircor zum ersten mal bei ACW Saturday Night II sah, dachte ich bereits, das Rätzel des Wrestling Sports gelößt zu haben. Ich wusste alles wichtige und war der Meinung, auch alles als Promoter umsetzen zu können, wenn man mich nur ließe. Andere Projekte der damaligen Zeit bekräftigten mich nur in diesem Vorhaben, doch ein einzelnes Gespräch mit Dirk Hadameck am Abend nach der Show veränderte meine Sichtweise schlagartig.

Gerade hatten 30 Zuschauer eine mittelmäßige Show gesehen, welche mir persönlich zwar sehr gut gefallen hatte (da Durchschnitt in Deutschland oft auch schon außergewöhnlich gut ist), doch an der Miene von Dirk konnte man deutlich ablesen, das er die Veranstaltung ganz anders gesehen hat. Er war weniger wütend über die geringe Zuschauerzahl, als über die kleinen Fehler seiner Akteure, welche sich in die Kämpfe eingeschlichen hatten. Er wollte den 30 Fans wirklich etwas ausergewöhnliches für ihr Geld bieten, doch dazu das der Whip In zu lasch, die Clothline zu hoch, der Cross Body zu ungenau. Er versprach den Fans nächstes mal schon besser zu sein und es wurde wirklich besser.

Würde es nach Dirk gehen, gäbe es in Weinheim heute einen submisisonlastigen Kampfsport zu sehen, eine Mischung aus Ringen, Shoot und Catchen. Es gab bis heute jedoch weder einen Ringkampf, noch einen Octagon, erst recht keine Runden bei der ACW, es gab Wrestling im Stile der achziger Jahre, es gab die Ghostbusters, den Earl Of Arrogance und es gab den Buisness Man. Was Dirk persönlich von diesen Gimmicks gehalten hat, bleibt wohl sein Gehemnis, doch den anwesenden Fans gefiel es gut. Sie bekamen nur das, was sie sehen wollten und sie danken es ihn mit einer nun schon vierjährigen Treue.

Dirk als den Vince Deutschlands zu bezeichnen, wäre wohl zuviel des guten. Doch es gibt viele Prallelen, welche beide verbindet. Da wäre zu einem die Liebe zum Bodybuilding, der Ausarbeitung des eigenen Körpers zu einem perfekten Gebilde. Zum anderen verlangen beide Promoter ihren Akteuren alles ab. Nicht umsonst gilt die WWE noch heute als die härteste Liga der Welt, was weiß Gott nicht an den Ringdarbietungen liegt, sondern viel mehr an der Einstellung und Professionalität, die Vince Ihnen abverlangt. In kaum einer anderen Liga der Welt werden Fehler so schnell und so hart bestraft wie in der WWE. In der ACW freilich läuft dies auf einem viel kleineren Niveau ab aber auch hier gilt: Wer nicht mitzieht kann gehen und Dirk verlangt nicht wenig von seinen Schützlingen. Klar darf man mal fehler machen, klar darf man mal einen schlechten Tag haben, doch ganz unabhängig davon muss man den Fans immer das maximal nötige bieten, alles geben und bloß nicht entäuschen. Denn die Fans sind das Kapital, welche den Laden am laufen halten, das schaut in New York nicht anders aus als in Weinheim.

Die dritte Parallelle der beiden Veranstalter wäre der Geschäftssinn. Dirk trennt die Liga in zwei Teile. Da wäre zu einem die sportliche ACW, die Trainingseinheiten, der technische Bereich, das Auftreten im Ring. Es gibt jedoch auch einen zweiten Bereich, außerhalb von Gimmicks, Storylines und Powerbombs. Spricht man mit Dircor über die Liga, so kommen oft Begriffe drin vor, welche man sonst nur aus der Betriebswirtschaft kennt. Marketing ist wichtig, Werbung, Flyer, der Einsatz der Kosten darf nie den Ertrag überflügeln. Klar weiß dies jedes Kind, doch wer ist auch so konzequent und lebt es aus? Ein Teil seines Erfolges ist die Einsicht, das es sich bei einer Wrestling Liga vond er Größe der ACW nicht um ein "Projekt" oder eine "Promotion" handelt, es ist ein Geschäft, es ist ein Unternehmen, es soll Geld verdienen!

Das unterscheidet Ihn in meinen Augen von allen anderen Promotern in Deutschland! Mit seinen schon fast Olli Kahn ähnlichen Zügen, nie auf zu geben, sich ständig zu verbessern und alles aus sich heraus zu holen, mit seiner Selbstsicherheit und nicht zuletzt mit seiner Libe zu dem Sport kann er sein Traum, mehr als 1.000 Menschen in eine Halle zu locken, veriwrklichen. Wie der Traum aussehen soll, entscheiden wir Fans alleine.
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