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Kid Kash: Vom Rohrschweißer zum Moneymaker

Personalie

Veröffentlicht am: 16.10.2005, 00:00 Uhr
Kategorie: Personalie
Verfasser: The Mountie
Liga: World Wrestling Entertainment
Es gibt im Wrestling Gimmicks, die passen zu den Personen wie die Faust aufs Auge: JBL, der Börsenguru, Eddie Guerrero, der hitzköpfige Latino, Ric Flair, der Lebemann. Bei Kid Kash, der in dieser Woche für die WWE debütierte, trifft das nicht zu. Anders als sein Name suggeriert wird der 36-Jährige nicht von der Gier nach Geld getrieben, sondern von einer Liebe zum Wrestling, die schon fast beängstigend ist.

Sein erstes Pay Per View Match bei dem ECW-Event Guilty As Charged 2000 bestritt Kash mit einem gebrochenen Unterkiefer – was ihn nicht davon abhielt, seine riskanten Flugmanöver vom Stapel zu lassen. Als sechs Monate später seine Großmutter starb, stieg er trotzdem am selben Abend in den Ring: „Ich wollte einfach nicht, dass Paul Heyman das Vertrauen in mich verliert. Ich habe meine Großmutter von ganzem Herzen geliebt, aber jetzt ist das Wrestling alles was ich noch habe.“

Knallharte Lehrjahre bei Ricky Morton

David Cashs Leidenschaft für das Wrestling entwickelte sich schon in seiner Kindheit, doch aktiv wurde er eher zufällig. Ende der Achtziger Jahre sprachen ihn lokale Wrestler in einem Fitness-Studio in Tennessee wegen seines Körperbaus und seines Surferlooks an. Der gelernte Rohrschweißer sollte als Ersatzmann zu deren Show kommen. Weil einer der eingeplanten Worker tatsächlich nicht aufkreuzte, kam Kash in derselben Nacht unverhofft zu seinem Debüt.

Im Publikum saß dabei kein geringerer als Ricky Morton, eine Hälfte des legendären Rock’n’Roll-Express – und war beeindruckt: Kash hatte bereits einen schulmäßigen Hurricanrana drauf: Er hatte ihn sich aus dem Fernsehen von dessen Erfinder Scott Steiner abgeschaut. Morton nahm den jungen Highflyer unter seine Fittiche. Die kommenden fünf Jahre tingelte Kash mit seinem Lehrmeister durch die Indy-Szene der Südstaaten und traf dort auf weitere Legenden wie Mortons Partner Robert Gibson, Wahoo McDaniel oder Greg Valentine: „Sie haben die Scheiße aus mir herausgeprügelt“, meinte Kash rückblickend über seine knallharten Lehrjahre: „Aber ich habe mir ihren Respekt erarbeitet.“

Heyman belohnte Ehrgeiz

Kash hatte also gelernt, einzustecken – eine Tugend die sich bezahlt machte, als er Mitte 1999 eine Chance bei der ECW bekam. Auch in der Liga von Heyman, wo sein Gimmick als kerniger Kid-Rock-Verschnitt geprägt wurde, jobbte er anfangs zumeist. Doch Kash kletterte die Leiter Schritt für Schritt nach oben – ohne sich von irgendeinem Rückschlag aufhalten zu lassen.

Heyman belohnte den unbändigen Ehrgeiz Kashs: Am 27. August 2000 durfte er dank der Hilfe von Rob Van Dam den Television Champion Rhino entthronen. Auch wenn seine Regentschaft nur zwei Wochen andauerte: Kash hatte seine Spurrillen hinterlassen in der Liga, in der er am liebsten bis an sein Lebensende geblieben wäre: „Jede Nacht in der ECW war wie ein Auftritt bei Wrestlemania“, schwärmt Kash heute noch.

Der große Frust bei TNA

Doch die ECW ging Pleite – ebenso wie die WCW, bei der Kash 2001 kurz unterkam. Kash musste sich wieder im Indy-Bereich durchschlagen, bis ihm TNA Wrestling wieder eine nationale Plattform bot. Doch obwohl er sich in der X-Division Title und zusammen mit Dallas alias Lance Hoyt zweimal den NWA World Tag Team Title umschnallen durfte, wurde Kash nie wirklich heimisch in der Jarrett-Promotion.

Kash bekam nach eigenen Angaben nie eine Gehaltserhöhung und hatte zudem das Gefühl, dass er von TNA absichtlich unten gehalten würde, weil er als Ex-ECWler „keiner von ihnen“ sei – während sie ihre Eigengewächse wie America’s Most Wanted dem Publikum regelrecht reinwürgen würden. In einem Interview mit einer Internet-Radioshow machte Kash im April 2005 all seinem Ärger Luft: Er giftete gegen TNA’s Vorzeige-Team und erklärte offen, dass er weg wollte und nicht mehr hundert Prozent für die Liga geben würde – was er sich im Ring jedoch nicht anmerken ließ: Noch Wochen zuvor lieferte er mit AJ Styles das bis dato vielleicht beste Impact-Match ab.

Nicht zu schade zum Verlieren

Trotzdem zwang er TNA mit diesem Interview geradezu, ihn vor die Tür zu setzen. Nach seiner Entlassung machte Kash Ernst mit seinen Bemühungen, beim Marktführer unterzukommen. Die WWE zögerte nicht lange und heuerte Kash nach einigen Tryouts für ihre neue Farmliga Deep South Wrestling um dort den jungen Development-Wrestlern unter die Arme zu greifen. Wieder einmal bewies Kash dort, dass er sich nicht zu schade ist, sich für andere, völlig unbekannte Wrestler hinzulegen.

Auch in der WWE hat Kash schon einmal als Jobber agiert. Ende der Neunziger diente er unter dem Namen David Jericho als Kanonenfutter für die Light Heavyweights Brian Christopher und TAKA Michinoku. Michinokus Ex-Partner Funaki durfte Kash in seinem ersten Match bei Velocity besiegen – der erste Schritt zu seinem Traumziel ist also gemacht: „Ich will definitiv einmal bei einer Wrestlemania antreten.“ Bei einer richtigen, versteht sich.
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