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Nachruf auf Eddie Guerrero

Personalie

Veröffentlicht am: 14.11.2005, 00:00 Uhr
Kategorie: Personalie
Verfasser: The Mountie
Liga: World Wrestling Entertainment
Der 13. November wird wohl als tragischster Tag des laufenden Jahrzehnts in die Wrestlinggeschichte eingehen: An diesem Tag wurde einer der besten und zugleich unterhaltsamsten Superstars der Welt auf dem Höhepunkt seiner Karriere aus dem Leben gerissen: Eddie Guerrero wurde am Morgen tot im Badezimmer seines Hotelzimmers aufgefunden. Mit nur 38 Jahren erlitt er beim Zähneputzen einen tödlichen Herzinfarkt.

Das tragische hierbei: Erst vier Jahre zuvor hatte Guerrero seine schlimmste Krise gemeistert, die ihn seinen Job, seine Frau und beinahe sein Leben gekostet hätte. Guerrero hatte seine Drogen- und Alkoholsucht überwunden und sein Leben in jeglicher Hinsicht wieder in den Griff bekommen. Seine bewegende Geschichte ging mit der WWE-Reportage „Cheating Death – Stealing Life: The Eddie Guerrero Story“ um die Welt. Doch jetzt, als niemand mehr damit rechnete, konnte Eddie Guerrero den Tod nicht mehr austricksen.

Eddie Guerrero war der jüngste Sohn der mexikanischen Wrestlinglegende Gory Guerrero. Ebenso wie seine Brüder Chavo, Mando und Hector trat Eddie in die Fußstapfen des Patriarchen. Seine Voraussetzungen waren jedoch schlecht. Als er 1987 debütierte, betrachteten ihn viele Promoter als zu klein und schmächtig. Obwohl sich der damalige NWA-Booker Terry Funk vehement für Eddie einsetzte, scheiterte eine Karriere in der Promotion aus genau diesen Gründen.

Erste Erfolge an der Seite Art Barrs

Eddie musste sich also in Mexiko, der Heimat seiner Vorfahren seine Sporen verdienen. Seine Blütezeit dort erlebte er in der AAA als Partner von „Love Machine“ Art Barr. Das „Pareja del Terror“, das mit Konnan und Louie Spiccoli das anti-mexikanische Stable „Los Gringos Locos“ bildete, mauserte sich zum am meisten gefürchteten Tandem Mexikos. Ihr Hair-vs-Mask-Match gegen Hijo del Santo und Octagon gilt als eines der besten seiner Zeit. Auch die Promoter oberhalb des Rio Grande wurden auf Guerrero und Barr aufmerksam. ECW-Chef Paul Heyman wollte die beiden nach Philadelphia holen und an die Spitze seiner Tag Team Division pushen.

Doch dazu sollte es nicht mehr kommen: Am 23. November 1994 wurde Art Barr tot in seinem Zuhause in Oregon aufgefunden. Obwohl die Umstände nie ganz geklärt wurden, gelten die Folgen von Barrs Drogenmissbrauch als wahrscheinlichste Todesursache. Nachdem Guerrero eine Weile als Black Tiger durch Japan tourte, landete er dann schließlich als Einzelwrestler bei der ECW, wo er sich direkt bei seinem Debüt den TV Title sicherte. Seine Matches beendete Guerrero seitdem mit dem Frog Splash – als Tribut an Barr, der diese Aktion ebenfalls verwendete.

Guerrero und sein Dauerrivale Dean Malenko schafften in Philadelphia das bis dahin Undenkbare: Sie rissen die ECW-Fans ohne Hardcore, Blut und Chaos von den Sitzen – sondern schlicht und ergreifend mit gutem Wrestling. Ihr 30-minütiges Time Limit Draw beim Hostile Showdown 1995 gilt unter Kennern als bestes Match der ECW-Historie.

Schwerer Autounfall am Neujahrstag

Kurz darauf erhielten Guerrero und seine Weggefährten Malenko und Chris Benoit Angebote der WCW und wechselten nach einem emotionalen Abschiedsmatch zwischen Guerrero und Malenko zu der aufstrebenden Promotion. Guerrero holte sich in Atlanta den Cruiserweight und auch den US Title, lieferte zahlreiche denkwürdige Matches ab und prägte Stables wie die Latino World Order und die Filthy Animals.

Doch Guerreros WCW-Karriere war auch der Anfang seiner Drogenprobleme, die nach einem Autounfall am Neujahrstag 1999 ihren Höhepunkt erreichten. Guerrero brach sich drei Wirbel und erlitt einen Trümmerbruch seines Knöchels – die Ärzte hatten ihn damals schon fast abgeschrieben, nicht zu reden von seiner Karriere. Doch Eddie kehrte zurück in den Ring – früher als es gesund gewesen wäre: Der Teufelskreis aus chronischen Schmerzen und Schmerzmittelabhängigkeit wurde schlimmer.

Tiefpunkt und Entlassung 2001

Ebenso wie sein Privatleben ging auch Eddies Wrestlingkarriere den Bach herunter. Den Tiefpunkt sahen er und seine Freunde Benoit, Malenko und Perry Saturn erreicht, als Kevin Sullivan zum Chefbooker der Promotion wurde. Weil Benoit Sullivan Jahre zuvor Ehefrau Nancy ausgespannt hatte, sahen die vier keine Basis mehr in der WCW und heuerten bei der WWE an – eine Entwicklung, die für viele den Anfang vom Ende der WCW markierte.

Die vier bildeten bei der McMahon-Company das Stable „The Radicalz“, in dem Eddie jedoch kaum zur Geltung kommen sollte: Gleich in seinem zweiten Match renkte sich Guerrero den Ellbogen aus und war wieder außer Gefecht. Nach seiner Rückkehr holte er zwar diverse Titel und hatte eine erfolgreiche Storyline mit seiner „Mamacita“ Chyna, doch seine Drogenprobleme nahmen mit der Zeit überhand – weshalb auch seine Ehe mit Vickie in die Brüche ging.

Im Juni 2001 zog die WWE die Notbremse, als Eddie zu einer Show in – tragische Ironie – Minneapolis in einem untragbaren Zustand auftauchte. Die Company schickte Eddie auf einen viermonatigen Entzug. Kurz bevor er zurückkehren sollte, bekam er jedoch einen Alkoholismus-Rückfall und handelte sich so die Entlassungspapiere ein. Eddie schien am Ende, doch er stand wieder auf: Er ließ seine Probleme hinter sich, versöhnte sich mit seiner Frau und landete über den Umweg Indy-Zirkus wieder in der WWE.

Innovatives Gimmick führt an die Spitze

Das Gimmick des schlitzohrigen „Lie, Cheat & Steal“-Spezialisten, das entstand, als er mit seinem Neffen Chavo Guerrero jr. teamte, verschaffte Eddie einen ungeahnten Popularitätsschub, der ihn letztlich bis ganz nach oben führte. Bei No Way Out 2004 entthronte er mit etwas Hilfe von Bill Goldberg den WWE Heavyweight Champion Brock Lesnar und verteidigte ihn bei Wrestlemania 20 gegen Kurt Angle – der Moment, in dem er hinterher mit dem World Heavyweight Champion Benoit feierte, gilt als einer der emotionalsten der WWE-Historie.

Letztlich lastete die Championbürde zu schwer auf Eddies Schultern. Guerrero setzte sich selbst unverhältnismäßig unter Druck und gab sich die Schuld an den schwachen SmackDown-Ratings. Dabei waren diese vor allem eine Folge des Weggangs von Lesnar und zahlreicher Ausfälle. Die WWE nahm Guerrero den Titel deshalb recht schnell wieder ab: Beim Great American Bash verlor er gegen John Bradshaw Layfield. Guerrero war gerade wieder dabei, die Spitze zu erklimmen: An dem Tag als er völlig überraschend verstarb, sollte er gegen Batista und Randy Orton um den World Heavyweight Title antreten.

Stattdessen veranstaltete die WWE eine emotionale Tribute Show für ihren Superstar, bei der sein Freund Benoit vor laufender Kamera in Tränen ausbrach. Am 13. November 2005 weinte die ganze Wrestlingwelt.
Jüngste Kommentare der CAGEMATCH-Insassen
LabronBenoit schrieb am 14.11.2010:
[10.0] "Wow, wenn man das jetzt nach 5 Jahren wieder liest, will man trotzdem nicht so recht glauben, dass das alles passiert ist. Stellt euch vor, was dieser Eddie uns heute noch alles zeigen hätte können. Sehr schade, dass er so früh von uns gehen musste. R. I. P. Eddie!"

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