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Jim Cornette: Neues Gesicht mit traditionellem Flair

Personalie

Veröffentlicht am: 20.06.2006, 00:00 Uhr
Kategorie: Personalie
Verfasser: The Mountie
Liga: Total Nonstop Action Wrestling
Man musste kein Internet haben, um vorauszuahnen, dass das neue Gesicht des TNA-Managements Jim Cornette heißen würde. Mit etwas Glück konnte man ich vor Slammiversary nämlich auf einer Autobahnraststätte zwischen Orlando und Cornettes Heimatstadt Louisville antreffen. Die Manager-Legende legte die 1153 Kilometer mit dem Auto zurück – er hat panische Angst davor in ein Flugzeug zu steigen.

Seine Flugphobie ist nicht die einzige etwas schrullige Anwandlung des 44-Jährigen. Als Jugendlicher etwa installierte Cornette eine drei Meter große Antenne auf seinem Elternhaus, damit er so viel lokales Wrestling wie möglich verfolgen konnte – Cornette war schon damals wrestlingverrückt im positiven Sinne. Mit 15 Jahren begann er dann in der Wrestlingszene seiner Heimatstadt Louisville aktiv zu werden. Er war Fotograf, Ringsprecher und PR-Arbeiter, ehe ihm Jerry Jarrett nach sechs Jahren die Chance gab, als Manager von Sherri Martel zu agieren.

Erfolgreich als Manager – erfolglos als Promoter

Cornette entwickelte ein Gimmick als reiches Muttersöhnchen – was darauf zurückging, dass seine Mutter ihn lange Zeit zu den Hallen fahren musste, weil er noch keinen Führerschein hatte. Zu seinem Markenzeichen wurden die schrillen Farbkombinationen seiner Anzüge und sein omnipräsenter Tennisschläger, mit dem er sich Feinde vom Leib hielt und für seine Schützlinge unerlaubte Hilfestellung leistete.

Seine berühmtesten Klienten war der Midnight Express aus „Beautiful“ Bobby Eaton und „Loverboy“ Dennis Condrey – später ersetzt durch „Sweet“ Stan Lane – das berühmteste Heel-Tag-Team seiner Zeit. Das Duo dominierte die Tag-Team-Szene der NWA jahrelang, besonders mit ihrer Fehde gegen den nicht minder legendären Rock’n’Roll Express. Der Midnight Express mit seinem Dampf plaudernden Manager war so verhasst, dass die drei oft unter Polizeischutz aus der Arena eskortiert werden mussten – ein Anzeichen dafür, wie gut Cornette als Bösewicht war. Ein anderes ist, dass er vom Wrestling Observer zwölfmal zum Manager des Jahres gewählt wurde.

In der NWA wurde Cornette mit der Zeit auch als Kommentator und Booker involviert, ehe er dann 1991 seine eigene Liga aus dem Boden stampfte: Smoky Mountain Wrestling, eine regional angelegte Promotion im Stil des alten Territorialsystems, die den Südwesten der USA abdecken sollte. In einer Zeit, in der das Wrestling allgemein darbte, fand die SMW aber nie ihre Nische zwischen den bundesweiten Mainstream-Promotions und den lokalen Indy-Ligen. Die SMW musste 1995 ihre Pforten schließen – trotz einer Kooperation mit der WWF, die die Promotion als Farmliga nutzte: Aus ihr gingen unter anderem Al Snow, Chris Candido und D’Lo Brown hervor.

Vince Russo als Nemesis

Cornette war zwischenzeitlich selbst in der WWF untergekommen – unter anderem als Sprachrohr des Langzeit-Champions Yokozuna und als Anführer des Heel-Stable Camp Cornette, das dem damaligen WWF Champion Shawn Michaels das Leben schwer machte. Auch hinter den WWF-Kulissen war Cornette als Booker aktiv, wo er mit jedoch bald über Kreuz mit dem damaligen Headwriter Vince Russo geriet. Russo gewann den Machtkampf und Cornette wurde aus dem Booking Team abgesetzt.

Wäre es umgekehrt gelaufen, hätte es die Attitude-Ära nie gegeben: Cornette ist ein Gralshüter des traditionellen Wrestlingstils, mit dem er aufgewachsen ist und nicht zu haben für Crash-TV, Kayfabe-Brüche und Hardcore-Wrestling. ECW-Gründer Paul Heyman etwa hat das Wrestling nach Cornettes Auffassung an den Abgrund geführt, indem er das Publikum mit seinem extremen Stil abgestumpft hat. Eine absolute Verachtung empfindet Cornette für Russo. Einmal sprach er ihm sogar auf eine mehrminütige Tirade auf den Anrufbeantworter, in der er ihm vorwarf, das Wrestling ruiniert zu haben. Die Nachricht, dass Russo nun Chef einer religiösen Promotion ist, kommentierte Cornette mit dem Satz: „Wenn es einen Gott gebe, dann würde Vince Russo nicht im Wrestlinggeschäft sein.“

Nach seiner kreativen Ausbootung konzentrierte sich Cornette darauf, für die WWF Talente zu entdecken und zu fördern. Er wurde später Chefbooker und Teilbesitzer der Farmliga Ohio Valley Wrestling, wo er immer wieder seinen genialen Riecher für Nachwuchskräfte unter Beweis stellte. So befand er etwa schon vor fünf Jahren dass die OVW-Talente Leviathan und Prototype das Zeug hätten, eine Wrestlemania zu headlinen – was sie dann als Batista und John Cena auch tun sollten.

Kündigung nach Ohrfeige

Das Kapitel Cornette – WWE fand im vergangenen Jahr dann endgültig sein Ende, als er hinter den Kulissen einen seiner berüchtigten Temperamentsausbrüche bekam und den Nachwuchswrestler John Carelli ohrfeigte. Dieser hatte den Boogeyman – damals als Angst einflößender Mystery-Heel konzipiert – ausgelacht, anstatt sich zu fürchten.

Cornettes folgerichtige Kündigung war vielleicht das Beste, was ihm zu diesem Zeitpunkt passieren konnte. Identifiziert hat er sich nämlich längst nicht mehr mit seinem Arbeitgeber. Ihm ist es ein Graus, dass ehemalige Hollywood-Schreiber die Kontrolle über den kreativen Prozess übernommen haben. Genauso frustriert war er darüber, dass zahlreiche seine OVW-Wrestler ins Hauptroster berufen wurden, lange bevor sie aus seiner Sicht reif dafür waren. Kein Wunder, dass sich Cornette, der meint dass man vom Wrestling „besessen“ sein muss, um gut darin zu sein, von der WWE innerlich distanzierte. Mehr und mehr zog er sich ins Privatleben zurück: „Ich war soweit, dass ich das Wrestling hasste.“

Los ist er dann aber natürlich doch nicht von seiner Obsession gekommen. Neben seinem Teilzeit-Deal mit TNA Wrestling ist er auch mit Ring of Honor verbandelt. Im Herbst vergangenen Jahres wurde er On-Air-Commissioner der Liga, die mit ihrem Zurück-zu-den-Wurzeln-Credo ganz nach Cornettes Geschmack ist – und auch in der Hinsicht, dass Fans und Verantwortliche ihn dort nicht als Fossil, sondern als Legende behandeln.
Jüngste Kommentare der CAGEMATCH-Insassen
Excellence of Execution schrieb am 17.11.2010:
[9.0] "Interessante Momentaufnahme, die aus heutiger Sicht natürlich schon wieder etwas überholt ist."

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